Begrüßungstext

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Montag, 9. Juli 2012

Rezension






Stimmen in der Nacht
Laura Brodie


Wie eine Entscheidung das ganze Leben beeinflusst
Quelle: dtv

Eine harmlose Studentenparty in einer kleinen amerikanischen Universitätsstadt endet mit einem Ausbruch von Gewalt im Haus der Dozentin Emma. Ihre kleine Tochter Maggie hat alles mit angesehen.
Zehn Jahre später kommen die Erlebnisse von damals wieder hoch: Maggie, inzwischen fünfzehn, wird von alten Albträumen gequält, hat Probleme in der Schule, schwänzt den Unterricht. Sie selbst weiß nur, dass ihr ihre neue Mathelehrerin, die ihr nie ins Gesicht sieht, unheimlich ist. Warum löst Grace, die Lehrerin, die altbekannten Ängste in Maggie aus, die längst überwunden schienen? Und was ist vor zehn Jahren wirklich geschehen?



Cover:
Das Cover hat mir sehr gut gefallen. Dieses Mädchen darauf und der Ausdruck in den Augen, der passt zur Geschichte und hat mich in Bezug auf das Genre: Thriller und den Klappentext auch sofort angesprochen.
Die Farbegbung ist klasse gewählt, sehr stimmig und harmonisch verbunden, der Titel des Buches super lesbar und auffällig plaziert. Die Wahl den Namen der Autorin so mitten oben rein zu setzen, gefällt mir persönlich jetzt nicht so gut, weil ich es als Bruch im Bild empfinde, aber gut. Ansonsten ein passendes und gutes Cover.

Bewertung: 








Leseeindruck: 
Ich habe mich total auf dieses Buch gefreut. Schon bei Vorablesen habe ich mein Glück versucht, aber es hat nicht geklappt. Als ich gesehen habe, dass bei Lovelybooks eine Leserunde zu dem Buch gemacht wird, habe ich sofort gedacht: da möchte ich dabei sein. Gerade bei solchen Themen finde ich es äußerst interessant zu sehen, wie andere das aufnehmen und was sie dazu denken. Ich kann vorwegnehmen, dass es mal wieder viel Spaß gemacht hat!!!

Das Buch selbst las sich von Beginn an flüssig und gut. Der Schreibstil ist sehr angenehm und ich konnte das Buch streckenweise, beinah immer, 'runterlesen'. Das war toll und hat richtig Spaß gemacht. Der Schreibstil war also klasse, ich hatte nichts zu meckern.
Mir hat auch die Einteilung der Abschnitte gefallen und die verschiedenen Perspektiven, die geboten wurden. ACHTUNG: Diese Rezi wird im Unterschied zu meinen sonstigen Rückblicken, Spoiler enthalten. Es geht leider nicht anders, um das Buch bewerten zu können.
Man erfährt hier Teile der Geschichte aus der Sicht von Maggie, einer Studentin (die bei dem Verbrechen Zeugin war), Emma als Mutter und den Abschluss bekommen wir wieder aus Maggies Sicht geschildert.
Im Prinzip eine passende Wahl mit der ich gut leben konnte.
Das Grundgerüst der Story fand ich faszinierend und obwohl ich irgendwie schon vorher das Gefühl hatte, dass die Mutter noch lebt und es deswegen keine große Überraschung für mich war, konnte der Anfang mich unterhalten und zwar auf spannende Weise. Das Fundament ist klasse und auch der Grund wieso ich das Buch lesen wollte, die Ausarbeitung jedoch ... hier hatte ich stellenweise doch arge Probleme.
Es gab einfach Vieles in der Charakterausarbeitung, sprich: Handlungen, Gedanken, Entscheidungen die für mich nicht nachvollziehbar waren. Nicht nur, weil ich anders gehandelt hätte, sondern weil es mir im Buch nicht logisch erklärt wird.
Wie kann ein Mensch auf der einen Seite ein totales Sicherheitsbedürfnis haben und übervorsichtig sein (Strickleiter im Zimmer des 5!!! Jahre alten Kindes, falls es mal brennt und das Kind sich retten muss) und gleichzeitig alleine auf drei Studenten losmarschieren, sie ins Haus lassen, während das Kind da schläft und selber in der Tür stehen bleiben UND dann auch noch erzählen, sie sei allein zu Hause, der Mann nicht da, etc.
Soll heißen: Emma war für mich von Beginn an nicht charaktertreu. Auf der einen Seite ein Mensch, der impulsiv und vorschnell handelt, der schnell die Beherrschung verliert und dann wieder ein Mensch, der viel schluckt, sich nicht wehrt und übervorsichtig ist. Das passt einfach nicht zusammen!!!
Dann lässt sie auch noch ihre Tochter im Stich, als sie entscheidet, ihre Ehe sei am Ende und das nicht weil sie merkt, das Maggie sich zurückzieht und Emma denkt, es sei das beste für Maggie, wenn sie aus ihrem Leben verschwindet. Nein, sie geht, weil sie denkt einen Rechtsstreit vor Gericht zwecks Sorgerecht eh nicht zu gewinnen, weil sie ja wen umgebracht hat. Wohlgemerkt aus Notwehr. Das geht mir gar nicht in den Kopf. Wenn ich mein Kind liebe, was damals alles mit angesehen hat, würde ich niemals!!! entscheiden, es allein zu lassen und einfach gehen!
Dann das Thema Eheproblematik. Anstatt das ausgeschrieben wird in Rückblicken, wie die Ehe zu Bruch ging an dieser großen Sachen, die für alle natürlich Einschnitte, Schuldgefühle etc. mitbrachte, gab es dann schon vorher Probleme und das war nur der heiße Tropfen auf dem Stein. Das fand ich total blöd. Irgendwie wirkte das auf mich konstruiert. So muss ich mir nicht die Arbeit machen, zu schreiben, warum und wieso sich die Eltern schließlich trennen.
Ein weiterer Kritikpunkt: Man erfährt so gar nichts von Kyle, dem anderen Studenten, der damals noch dabei war. Fand ich auch blöd.
Die Wandlung von Emma zum totalen ... ja wie soll ich sagen ... furchtlosen Menschen, der für andere einsteht und sich ständig in Gefahr bringt, fand ich auch nicht logisch erklärt. Ich fand die Aspekte ihres neuen Lebens interessant, aber zu wenig erklärt, um verstehen zu können, wieso sie jetzt auf einmal so ist.
Der größte Kritikpunkt ist für mich aber der: Die Erklärung weswegen Maggie damals geschwiegen hat und nie aussagte.
Tut mir leid, aber ein fünfjähriges Mädchen wird wohl kaum denken: Meine Mama hat wen umgebracht, ich sag lieber nichts zu den Polizisten, weil meine Mama ist ja auch böse, weil sie mal einen Dino mit dem Rasenmäher getötet hat oder ein Eichhörnchen überfuhr.
Ehm ... also a) kann so ein Kind gar nicht abstrahieren, dass die Mama wen 'getötet' hat und sicher wiegen Eichhörnchen überfahren etc. nicht jahrelange Liebe auf, wenn das Kind sich trotzdem geliebt und geborgen gefühlt hat, was ja der Fall sein muss, sonst würde es nicht immer zur Mama ins Bett kommen, zum Vorlesen von Geschichten etc. Also das war einfach ... lahm. Da wurde vorausgesetzt, dass das Kind etwas versteht, was es in dem Alter nicht verstehen kann. Es wäre für mich logischer und sinnvoller gewesen, das Kind hätte geschwiegen, weil es unter Schock stand, oder Angst hatte, aber nicht, weil es fürchtete, dass die Mama ja böse sei und es deswegen besser wäre, sie sage gar nichts. In meinen Augen totaler Unsinn.

Fazit:
Ein Buch, dass eher eine Aufarbeitung und Darstellung davon ist, wie das Leben aller Beteiligten eines Verbrechens sich verändert und entwickelt und wie man mit der Schuldfrage umgeht. Jeder, der hier einen spannenden Thriller erwartet, ist falsch am Platz, da die Tatnacht in der Vergangenheit liegt und schnell, sowie unspektakulär aufgelöst wird. Ich hätte dem Buch gerne mehr Feen gegeben, aber leider hat es mich doch im Gesamten enttäuscht. Aufgrund der vielen psychologischen 'Schwächen', die mich nicht überzeugen konnten, würde ich das Buch persönlich nicht weiterempfehlen.
Jedoch sollte sich jeder selbst ein Bild davon machen. Lesen lässt sich das Buch allemal gut und schnell, da es einen angenehmen Schreibstil aufweist.

Bewertung:








Ich bedanke mich herzlich bei Lovelybooks für die tolle Leserunde und beim Deutschen Taschenbuch Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Kommentare:

  1. Minus 1 auf meiner WL, juhu! ;-)

    Danke für die Rezi! :D

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  2. *hahaha*
    Ne also kaufen würde ich es wirklich nicht. Du kannst es dir gerne bei deinem Besuch ausleihen und brinst es mir wann anders wieder mit. Oder ich schenk es dir. Ich werde es sicher nicht nochmal lesen. Und so kannst du immer noch reinlesen, ob es dir besser gefällt und du es lesen möchtest. ;)


    LG
    Lilly

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